Shoyoroku
Von Wolfgang Walter, E'un-Ken (Wolke der Weisheit)

Shoyoroku Nr. 1


Einfach nur das

WW: Eines Tages bestieg der Welt-Erhabene, gemeint ist Buddha, das Lehrpodest, um sich an die Mönche zu wenden. Manjushri schlug mit dem Hammer dreimal auf einen achteckigen Holzklotz. Dieses war das Zeichen für die damaligen Mönche, sich zu versammeln, um dem Teisho des Meisters zuzuhören. Manjushiri sagte: „Seht klar den Dharma des Dharma-Königs! Der Dharma des Dharma-Königs ist wie dies!“ Daraufhin stieg der Welt-Erhabene herab.

Diop: Wer war dieser Manjushri?

WW: Wörtlich übersetzt bedeutet Manjushri „Einer, der edel und sanft ist“. Manjushri ist der Bodhisattva der Weisheit, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, andere Menschen zu retten.

Diop: Wie begegnet ein solcher Bodhisattva den Lebewesen? Wie sieht er sie?

WW: Es gibt ein Zitat aus dem Vimalakirti-Nidesha-Sutra, einem bedeutenden Sutra aus der frühen Zeit des Mahayana-Buddhismus. Wir erleben in diesem Text Vimalakirti, einen Schüler des Buddha, im Gespräch mit Manjushri. Manjushri fragte Vimalakirti: „Wie soll ein Bodhisattva die Lebewesen sehen?“ Vimalakirti antwortete: „Ein Bodhisattva soll die Lebewesen ansehen wie ein Zauberkünstler seine vorgegaukelten Gestalten ansieht und wie der Weise, der die Spiegelung des Mondes im Wasser betrachtet, wie ziehende Wolken am Himmel, wie Schaum in einer Flüssigkeit, wie Blasen auf dem Wasser, wie einen Heiligen, der Gier, Zorn und Torheit noch nicht losgeworden ist, wie einen Bodhisattva, der das Ungeborene realisiert hat und doch noch gierig und voller Hass ist, wie einen Buddha, der noch krank ist und leidet, wie die Spuren von Vögeln in der Luft, wie einen Schlafenden, der sich im Traum wach sieht.“ Aber auch Meister Rinzai äußerte sich einmal zu Manjushri. Er sagte: „Möchtet ihr Manjushri kennenlernen? Das ist etwas, das in diesem Augenblick in eurem Innern tätig ist, etwas, das unerschütterlich verharrt und für Zweifel keinen Raum lässt. Das heißt der lebendige Manjushri.“

Diop: Was steht Ihrer Meinung nach hinter dieser Aussage?

WW: Rinzai wollte damit klarmachen, dass unser wahres Wesen den ganzen Tag über lebendig ist und ständig wirkt.

Diop: Manjushri ist also auch ein Wort für das Wirken unseres Geistes?

WW: Ja, eines Geistes, der nicht mehr unterscheidet. Manjushri bedeutet ebenfalls die Weisheit, in der alles gleich und zugleich verschieden ist, unseren freien und ursprüngliche Geist, der mit allem eins ist, was ihm auch begegnet, einen Zustand, der alles durchdringt und weder Tod noch Leben kennt.

Diop: Könnte man sagen, Manjushri ist ein anderes Wort für Weisheit und die Erleuchtungserfahrung?

WW: Ja. Es ist nur eine leere Worthülse, wie auch unser Name. Er sagt nichts über die Wirklichkeit Ihrer Existenz aus. Manjushiri sagte: „Seht klar den Dharma des Dharma-Königs!“ Er meint: „Seht klar die Wirklichkeit! Die Wirklichkeit ist wie dies.“ Bumm. Ein leerer Ton aus einer leeren Hand. In den gemischten Koan, die am Anfang der Koan-Schulung stehen, gibt es ebenfalls ein Koan, das auf das Sehen der Wirklichkeit hinweist. „Alles unterliegt dem Gesetz der Vergänglichkeit. Es ist wie Traum, Phantom, Schaum und Schatten. Es ist wie Tau, es ist wie Blitz. Man sollte alles so betrachten.“ Im Grunde zeigt Manjushri auf die Lehre, die nicht mit Worten vermittelt werden kann und nur von Herz zu Herz übertragen werden kann.

Diop: Was entgegnete Buddha Manjushri?

WW: Buddha sagte nichts.

Diop: Er sagte nichts?

WW: Nein, er stieg einfach wieder vom Rednerpult herab und ging weg.

Diop: Manjushri sagte: „Der Dharma des Dharma-Königs ist wie dies!“ Was meint Manjushri damit?

WW: Die Wirklichkeit des Verwirklichten ist wie dies. Man tut die Arbeit, ohne ständig das Ziel im Auge zu haben, man erträgt die Hitze, ohne sie loswerden zu wollen. Es ist eine Welt, in der auch Krankheit, Streit, Ärger und Aggression sein darf. Und schon ist es wieder vorbei. Man lässt einfach die Welt an sich vorüberziehen, innen wie außen. Die Realisierung eines jeden Koans liegt immer in der Einzigartigkeit des Augenblicks. Die Frage ist: Können wir sie sehen? Sehen wir, was in diesem Augenblick vor uns liegt? Ich meine, realisieren wir die Wirklichkeit so wie sie ist oder decken wir sie zu mit unseren Meinungen und ständigen Beurteilungen?

Diop: Es ist oft nicht einfach, ohne diesen ständigen Meinungshintergrund auszukommen.

WW: So erscheint es uns auf den ersten Blick. Und doch führt uns Manjushri die schöpferische Kraft des Augenblicks vor, die alles verbindet und zusammenhält. Aber darüber kann nichts gesagt werden, diese Kraft kann nur erlebt werden. Buddha hat diese Wirklichkeit realisiert, an die kein Wort heranreicht. Aus diesem Grunde verlässt er das Rednerpult. Es ist alles gesagt. ES ist einfach dies. Da reicht kein Wort heran.

Diop: Und doch werden in der heutigen Zeit sehr viele Zen-Bücher geschrieben.

WW: Das ist richtig. Es ist ein großes Geschäft geworden. Viele, die ein paar Jahre gesessen sind, meinen, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben. Sie sollten besser schweigen, wie Buddha dies getan hat.

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