Ganesha-Statue vor blauem Himmel, umgeben von bunten Luftschlangen
Ganesha-Statue vor blauem Himmel, umgeben von bunten Luftschlangen

Die prachtvolle Welt der Götter im Hinduismus

Indien, dieses zauberhafte Land im Orient, ist die Geburtsstätte des Hinduismus. Hier findet diese Religion auch ihre größte Verbreitung. Es ist eine über Jahrhunderte gewachsene Glaubensgemeinschaft, die die gesellschaftliche Struktur der Menschen spiegelt und ihr Zusammenleben regelt.

Im Grunde handelt es sich beim Hinduismus um einen Zusammenschluss von sehr unterschiedlichen Glaubensrichtungen mit jeweils einer eigenen Götterwelt und eigenen Ritualen. Die persönliche Freiheit in der Ausübung des Glaubens wird hoch geschätzt. Gemeinsame Gebete und Feste gibt es dennoch. Diese Einheit in der Vielfalt macht den Hinduismus aus – und dies macht ihn auch stark.

Hinduismus – Entstehung und Verbreitung

Rechnet man die Anzahl der Gläubigen, so gilt der Hinduismus nach dem Christentum und dem Islam als die drittgrößte Religion der Erde. Die meisten Anhänger sind in Indien und in Südostasien zu finden. Doch auch in vielen anderen Teilen der Erde entwickeln die Menschen Sympathien für den Hinduismus und seine prachtvolle, bunte Götterwelt.

Einer der großen hinduistischen Lehrer, Ramakrishna, er lebte im 19. Jahrhundert, war davon überzeugt, dass sich alle Religionen auf dieselbe Wahrheit gründen. Ihre Vielfalt, so Ramakrishna, bestünde nur in äußerlichen Unterschieden, sie sei nur Schein oder, wie er es nannte, Maya.

Alltagsleben, Tod und Wiedergeburt im Hinduismus

Das Besondere an dieser Religion ist, dass es keine einheitliche Lehre gibt, auch kein Oberhaupt, sondern lediglich eine Art Übereinkunft, die auf der Welt-Hindu-Konferenz im Jahr 1979 geschlossen wurde. Um ein Hindu zu sein, braucht es damit keinen offiziellen Beitritt in eine Organisation. Stattdessen muss man sechs Verhaltensregeln einhalten: Beten, in der Bhagavad Gita lesen, die heilige Silbe Om anwenden, das Tulsi-Kraut (eine Basilikum-Art) anbauen und eine Gottheit seiner Wahl verehren.

Zu den hinduistischen Alltagspflichten gehört außerdem die Reinhaltung. Damit sind das tägliche Bad für die körperliche Reinigung und das Gebet für die geistig-seelische Reinigung gemeint. In der Regel beten Hindus bei Sonnenauf- und -untergang. Dazu zünden sie vor dem Bildnis ihrer Gottheit ein Licht an, spenden eine kleine Gabe in Form von Früchten oder Blumen, vertreiben durch eine Räucherung die schlechten Energien und bösen Geister und versenken sich dann in die Meditation. An Feiertagen, für besondere Zeremonien oder bei größeren Anliegen suchen die Hindus einen Tempel auf.

Karma

Das Karma, das Rad der Wiedergeburt dreht sich ständig. Mit jeder Handlung und jeder Tat gestalten wir unser Schicksal. Jede Ursache hat eine Wirkung, in diesem oder im nächsten Leben. Der Tod gilt hierbei nicht als Ende, sondern lediglich als Übergang ins nächste Leben.
Diesen Kreislauf gilt es zu überwinden. Die Gesellschaftschicht, die Kaste, in die man hineingeboren wird, zeigt, welche Stufe man bereits erreicht hat. Vier Stadien der Existenz muss ein Mensch durchlaufen, idealerweise in einem Leben, um von der Wiedergeburt befreit zu werden und Erlösung zu finden: Das Leben als Schüler, die Gründung einer Familie, das Leben als Einsiedler in der Askese und das Leben als Wandermönch.
Durch ein Leben in Güte, durch Mildtätigkeit, Wahrhaftigkeit, Gewaltlosigkeit und andere Tugenden lässt sich schlechtes Karma abbauen. Auch die Götter können durch ihre Gnade die Menschen aus dem Karma befreien.

Die Vielfalt und Hierarchie im hinduistischen Götterhimmel

Für seinen immensen Götterhimmel ist der Hinduismus bekannt. Genau genommen aber sind es nicht sehr viel mehr Götter als in vielen anderen Religionen. So war der Olymp der alten Griechen bereits reich besetzt, die Germanen und Kelten hatten für jeden Zweck eine eigene Gottheit und sogar die Buddhisten kennen zumindest eine große Reihe von Bodhisattvas, von aufgestiegenen Meistern und Erleuchteten. In Naturreligionen ist es sowieso eine Selbstverständlichkeit, dass der Wind eine andere Zuständigkeit hat als das Wasser, die Sonne oder die Pflanzen. Die jüdische, christliche und moslemische Religion haben sich zwar offiziell auf einen Gott verständigt. Hier aber werden die speziellen Anliegen der Menschen den Engeln und Heiligen vorgetragen. Im Hinduismus werden diese hohen Wesenheiten eben alle Götter genannt. Gemeinsam sind sie für die Erde und alle ihre Bewohner zuständig.

Die Grundlage für alles Sein bildet Brahman, das kosmische, göttliche Bewusstsein. Daraus entsteht Ishvara – ein Sammelbegriff für all die personalisierten Gottheiten mit ihren unterschiedlichen Eigenschaften. Damit wird aufgezeigt, dass Gott im Grunde eine Einheit ist, sich aber ganz vielfältig ausdrücken kann.
Diese vielfältige Götterwelt ist gut strukturiert. Es gibt eine ausgefeilte und sehr harmonisch abgestimmte Hierarchie. Auffallend ist die exakte Gleichstellung von männlichen und weiblichen Haupt-Gottheiten. Das ist zunächst die Trimurti, die Dreiheit der männlichen Gottheiten. Sie besteht aus Brahma, Vishnu und Shiva, die als Schöpfer, Bewahrer und Zerstörer den Lauf der Welt bestimmen. Zu ihnen gehören die drei Devi, auch Tridevi genannt, die Ehefrauen dieser Götter – Sarasvati, Lakshmi und Parvati.
Neben diesen Hauptgottheiten gibt es unzählige zusätzliche Götter und Göttinnen, wie etwa Ganesha, Govinda, Hanuman, Krishna, Radha und Kali, die den hinduistischen Himmel bevölkern und bei den Hindus großes Ansehen genießen.

Warum ist die Kuh heilig?

In den Veden, den ältesten hinduistischen Überlieferungen, wird die Kuh als Göttin der Erde bezeichnet. Das ist vermutlich der Grund, warum Rinder und insbesondere Kühe im Hinduismus als heilig gelten. Es ist eine sehr alte Tradition, die schon vor 4000 Jahren existierte.
Der Verzehr ihres Fleisches ist ein Tabu. Dennoch sind die Kühe keineswegs ohne Nutzen für Hindus, im Gegenteil. Sie dienen als Zugtiere in der Landwirtschaft, ihr Dung ist ein wertvoller Stoff zum Feuermachen. Vor allem aber werden die Kühe gemolken – und gerade die Milchprodukte, wie Ghee (geklärte Butter), Jogurt und die Milch selbst nehmen in der traditionellen Ernährung einen hohen Stellenwert ein. Diese Produkte sind auch ein wesentlicher Bestandteil der Opfergaben. Sind die Tiere schließlich verstorben, wird durchaus ihre Haut als Leder verwertet.

Die einzelnen Gottheiten und ihre Bedeutung

Die drei obersten männlichen Gottheiten


Die drei obersten weiblichen Gottheiten


Weitere beliebte hinduistische Gottheiten


Shakti

Shakti wird die weibliche Ur-Energie genannt, die dem männlichen Bewusstsein Ausdruck verleiht. Alle Göttinnen gemeinsam sind die Kraft, die Shakti ausmacht. Parvati zum Beispiel ist Shakti für Shiva – er ist die Sonne, sie ist das Licht, er ist der Himmel, sie ist die Erde, er ist die Idee, sie ist die Materie.

Radha

Radha, die Gefährtin von Krishna, gilt als Inkarnation von Lakshmi. Radha ist die Göttin der Hingabe. Beide, sowohl Krishna als auch Radha, waren mit anderen Partnern verheiratet. Dennoch trafen sie sich heimlich und lebten ihre Liebe leidenschaftlich aus. Es zog sie immer wieder zueinander und sie nahmen alles in kauf um zusammen sein zu können. Radha und Krishna gelten als das größte Liebespaar im Hinduismus und als Symbol für die Sehnsucht der Menschen zu Gott und die Liebe Gottes zu den Menschen.

Sita

Sita ist die Ehefrau von Rama. Sie gilt als wunderschön. Als sie entführt wurde, half General Hanuman ihrem Mann Rama, sie zu befreien. Sita und Rama galten im Leben als perfektes Ehepaar und Liebespaar. Diese Vorzüge geben sie auch als Gott und Göttin weiter. Ihr Bildnis im Schlafzimmer stellt die eigene Ehe unter ihren Schutz.

Govinda

Govinda wird der Gott Krishna genannt, wenn ein bestimmter Aspekt seines Wesens gemeint ist – die höchste Freude. Govinda strömt großen Frieden aus. Er wird angerufen, wenn man alles verloren hat. Govinda ist Ausdruck des tiefen Glaubens an die Erlösung von der Wiedergeburt und an ein ewiges Leben in Glückseligkeit.

Holi-Festival

In vielen Regionen der Erde wird gefeiert, wenn der Winter zurückweicht und der Frühling Einzug hält, wenn die Kraft der Sonne spürbar stärker ist als Dunkelheit und Kälte. Das Aufblühen der Natur ist eben überall ein Anlass zur Freude. In Indien gibt es das Holi-Festival. Es findet am ersten Vollmond im Frühlingsmonat Phalgun statt. Nach unserem Kalender ist das der Zeitraum zwischen 20. Februar und 23. März. Holi ist ein Fruchtbarkeitsfest – ein Fest des Frühlings und der Freude.

Um das überströmende Leben und die reine Freude sichtbar zu machen, spielen Farben die Hauptrolle bei diesem Fest. Natürlich wird auch Musik gemacht, getanzt, gegessen und getrunken. Doch vor allem geht es um die Farben: Man reibt sich mit Farbpulver ein, überschüttet einander damit oder übergießt sich mit gefärbtem Wasser. Die Hauptbestandteile stammten ursprünglich komplett aus der Natur. Blüten, Rinden, Wurzeln und Kräuter wurden zur Herstellung verwendet.

Das Schöne bei diesem Fest ist: Es gibt keine Grenzen zwischen den Menschen. Alle Nationen, Kasten, Geschlechter, Altersgruppen oder was auch immer es an Teilung und Einteilung gibt – all dies geht im Rausch der Farben unter. Die Menschen feiern gemeinsam. Sie wünschen einander Glück und Freude.

Wer einmal die prachtvollen Bilder von einem Holi-Festival in Indien gesehen hat, konnte in seinem Herzen die Sehnsucht spüren, wie herrlich es wäre, hier mitzumachen und mitzufeiern. Holi wirkt so verspielt, so frei und wild. Dafür ist in unserem durchgetakteten Leben meist viel zu wenig Raum. Daher ist es kein Wunder, dass dieses Fest seinen Siegeszug über die ganze Erde angetreten hat. Tauche ein in einen Rausch an Farben!

Die Bedeutung der Farben beim Holi-Festival

Blau ist die Farbe des Himmels und des Friedens. Auch steht Blau für den Gott Krishna, die Hauptgottheit an diesem Feiertag. Krishna ist der Gott der Liebe und der Freude. Er verkörpert das höchste Bewusstsein und gilt als Retter der Welt.

Rot symbolisiert die Liebe, die Schönheit und die Fruchtbarkeit. Es ist auch die Farbe der Hochzeit.

Grün steht für Frühling, Hoffnung und Neuanfang. Es ist die Farbe der Natur und des Glücks.

Gelb soll Schutz schenken und böse Geister vertreiben. Es verbindet mit der Kraft der Erde.

Pink steht für Süße, für Weiblichkeit und auch für Willkommen.

Orange steht für Mut und Erleuchtung. Es zieht Erfolg an.

Lila ist die Farbe der göttlichen Kraft. Es steht für Fantasie und für die unendliche Freiheit.

Feiere mit, in der ganzen Fülle der Farben. Fühle dich als Kind, als Heilige, als Inder, als Weltenbürgerin, als Komet, als Gottheit oder als dich selbst. Vor allem: Fühle die verbindende Kraft zwischen den Menschen, die Einheit und die Freude. Darin liegt der eigentliche Segen dieses Festes.