Shoyoroku
Von Wolfgang Walter, E'un-Ken (Wolke der Weisheit)

Shoyoroku Nr. 98


Unmittelbar

Diop: Was geschieht nach dem Tod? Wohin gehe ich dann? Gibt es noch irgendetwas danach? Gibt es etwas in uns, das unsterblich ist? Viele Menschen tragen diese Fragen mit sich herum. Sie suchen Antworten.

WW: Der Tod macht uns Angst. Wir können ihn nicht akzeptieren. Es ist die Angst, all das zurücklassen zu müssen, was uns in diesem Leben liebgeworden ist, woran wir hängen, woran wir uns festgemacht haben. Ein Mönch fragte einmal Meister Tozan: „Welcher der drei Körper des Buddha zerfällt nicht in Teile?“ Tozan antwortete: „Es ist mir immer ganz vertraut.“

Diop: Genau wie dieser Mönch suchen auch wir nach Lösungen und stoßen dabei vielleicht auch auf die Religionen. Aber auch da finden wir kaum befriedigende Antworten. Wir werden vertröstet auf den Himmel, auf das Paradies, das wir uns erkaufen müssen mit guten Taten. Viele Menschen bezweifeln heute, dass es irgendwo da oben einen Buchmacher gibt, der genau über unser Leben Buch führt und am Ende entscheidet: Himmel oder Hölle. In den östlichen Religionen treffen wir auf Begriffe wie Karma oder Wiedergeburt. Und so verlagern wir unsere Ängste vor der Hölle auf eine Angst vor einer schlechten Wiedergeburt.

WW: Wir befinden uns in einer Sackgasse, aus der, wie es scheint, kein Entrinnen möglich ist. Dies war auch sicherlich der Hintergrund des Mönches in diesem Koan, als er fragte: „Welcher der drei Körper des Buddha zerfällt nicht in Teile?“

Diop: Was ist gemeint mit diesen drei Körpern Buddhas?

WW: Bodhidharma sagt uns dazu: „Buddha hat drei Körper: einen Verwandlungskörper, einen Seinskörper und einen wirklichen Körper. Der Verwandlungskörper wird auch Inkarnationskörper genannt. Dieser entsteht durch gute Taten. Der Seinskörper wird durch Weisheit kultiviert und der wirkliche Körper durch die Erkenntnis des Erhabenen. Der Verwandlungskörper ist in allen Richtungen tätig, um anderen zu helfen, wo immer er kann. Der Seinskörper beendet alle Zweifel. Der wirkliche Körper tut oder sagt gar nichts. Er verharrt in absoluter Stille. Doch in Wahrheit gibt es nicht einmal einen Buddhakörper, geschweige denn drei. Die Lehre von den drei Körpern ist nur ein Hilfsmittel für das menschliche Verstehen, das oberflächlich, mittelmäßig oder tief sein kann. Menschen mit oberflächlichem Verstehen bilden sich ein, sie könnten Segen anhäufen, und sie verwechseln den fleischlichen Körper mit Buddha. Menschen mit mittelmäßigem Verstehen bilden sich ein, sie könnten dem Leiden ein Ende setzen, dabei verwechseln sie ihr Sein mit Buddha. Menschen mit tiefem Verstehen bilden sich ein, sie würden Buddhaschaft erleben, dabei verwechseln sie ihren wahrhaftigen Körper mit Buddha. Doch die Menschen mit dem tiefsten Verstehen schauen nach innen und werden von keinen solchen Vorstellungen abgelenkt. Da nur der klare Geist als solcher Buddha ist, erlangen sie das Verstehen eines Buddha, ohne irgendwelche Vorstellungen des Geistes zu benutzen. Die drei Körper sind wie alle anderen Begriffe unerreichbar und unbeschreibbar. Nur der ungehinderte Geist findet den Weg.“ Das bedeutet: Nichts kann darüber gesagt, nichts kann bewiesen werden. Es gibt nur die allgegenwärtige Leere, über die nichts ausgesagt werden kann. Sie muss erfahren werden, leibhaftig erfahren werden.

Diop: „Nur der ungehinderte Geist findet den Weg?“

WW: Die Antwort findet sich im Vers. Da heißt es: „Nicht in die Welt eintreten. Nicht den Umständen folgen.“ Das bedeutet, sich nicht fesseln zu lassen von den Problemen des Alltags, beruflichen, familiären oder gesundheitlichen Nöten und alles, was auf einen zukommt, anzunehmen, besonders dann, wenn es schmerzhaft ist.

Diop: Sie meinen, alles Grübeln und Nachsinnen, warum es ausgerechnet mich trifft, ist pure Energieverschwendung?

WW: Ja. Könnten wir erfahren, dass alles leer ist, nur leere Erscheinungsform, würden wir uns nicht mehr damit identifizieren. Es ist dann einfach so, wie es ist. Es regnet, die Sonne scheint, der Wind weht. Da fragen wir ja auch nicht, warum das so ist. Unzählige Menschen vor uns haben diesen Weg gefunden und gehen ihn frei und ungehindert. Es ist wie eine alte Familientradition, die von Generation zu Generation weitergegeben wird. Die letzten Zeilen des Verses drücken dieses So-Sein aus und machen es uns deutlich. „Weiße Wasserlinsen, eine leichte Brise – Abend am herbstlichen Fluss; ein alter Erddamm, das Boot kehrt um – ein einzelner Nebelstreif.“ Nichts kann dem hinzugefügt werden. Alles ist vollkommen. Sind wir in diese Erfahrung eingetreten, können auch wir sagen: „Tod, wo ist dein Stachel!“ Der Tod hat dann seine Macht verloren und wir erwachen zur Unsterblichkeit, zum ewigen Leben in diesem Augenblick. Als der Mönch Tozan fragte: „Welcher der drei Körper des Buddha zerfällt nicht in Teile?“ antwortet der Meister: „Es ist mir immer ganz vertraut.“ Er will damit ausdrücken: Ich bin müde, das ist es. Ich habe Hunger, das ist es. Es ist mir ganz vertraut. ES ist immer da, was es auch sei, der Kopfschmerz, der Stress in der Arbeit oder der Sonnenuntergang. Nichts davon ist ausgeklammert, das Negative nicht und auch nicht das Positive. Um in diese Erfahrung zu kommen, üben wir. Deshalb ist es wichtig, an jeden Augenblick so heranzutreten, als wäre er noch nie geschehen. Alles ist neu. Es handelt sich nicht um die achtundvierzigste Vorstellung, es ist Premiere, die einmalige, unverwechselbare Uraufführung unseres Lebens in diesem Augenblick!

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