Shoyoroku
Von Wolfgang Walter, E'un-Ken (Wolke der Weisheit)

Shoyoroku Nr. 97


Pure Dynamik

WW: Kaiser Doko sprach zu Koka Sonsho und sagte …

Diop: Wer war Koka Sonsho?

WW: Mit Koka Sonsho ist Koke Zensho gemeint, der von 830 bis 888 lebte. Mit einunddreißig Jahren kam er zu Rinzai, unter dem er auch Erleuchtung erfuhr. Nach einer längeren Reise kehrte er wieder zu ihm zurück und blieb bei ihm bis zu dessen Tod. Er war einer der Dharmanachfolger von Rinzai. Zu ihm kam Kaiser Zhuangzong und sagte: „Ich habe den Juwel der zentralen Ebene erlangt. Aber niemand kann ihn ermessen.“

Diop: Meint der Kaiser mit der „zentralen Ebene“ einen Zustand jenseits aller Gegensätze, unsere Wesensnatur, das Eins sein mit dem Universum?

WW: Ja.

Diop: Man könnte der Ansicht sein, wir haben hier einen hochmütigen Kaiser vor uns, der damit prahlt, es erreicht zu haben.

WW: Doch im Nachsatz „niemand kann ihn ermessen“ wird sein Lehrer Koka neugierig. Darum nimmt er die Gelegenheit wahr, seine Erfahrung zu überprüfen. „Majestät, lassen Sie mich einen Blick auf Ihren Juwel werfen. Ich würde ihn gerne sehen“, sagte Koka. Der Kaiser verliert kein Wort und zog nur am Riemen seines Helmes. Wir haben es also hier bestimmt nicht mit einem Neuling zu tun und schon gar nicht mit einem Kaiser, wie wir ihn uns vorstellen. Hier ist einfach nur ein Mensch, nichts weiter. „Wer könnte es wagen, den Schatz des Kaisers zu ermessen!“, sagte Koka. Hier endet das Koan. Endlich hat Koka einen wahren Menschen gefunden. Der Kaiser hat auf perfekte Weise sein Innen nach Außen gekehrt. Da ist kein Mangel, es fehlt nichts. Beide sind zufriedengestellt. Meister Koka erkannte, dass der Kaiser unbestreitbar das Zen-Auge hatte. Der Kaiser war erfreut und gab ihm die purpurrote Robe und den Titel eines Meisters. Koka nahm jedoch beides nicht an.

Diop:Ich frage mich: Soll das alles sein? Soll das der Schatz des Universums sein, den es gilt, zu erlangen?

WW: Können wir das annehmen? Einfach nur dies? Einfach nur arbeiten, einfach nur essen, einfach nur gehen? Und wie lässt sich dies mit diesem Augenblick in Übereinstimmung bringen? Suiyan Zhi sagt: „Entscheide den Fall erst, nachdem du durch den Stock geschlagen wurdest.“ Yunfeng Yue sagt: „Das Wahre bedeckt nicht das Falsche, das Gekrümmte versteckt nicht das Gerade. Die, die Augen haben, werden es erkennen“.
In der Wesensnatur gibt es kein Selbst und keine Anstrengung, keinen Ich-Trieb und keine Gegensätze, in die man als Mensch ja beinahe dauernd verwickelt ist. Diese Gegensätze stehen sich oft feindlich gegenüber und es entsteht Disharmonie. Wenn wir jedoch unser wahres Wesen gefunden haben, sind alle Gegensätze aufgehoben. Das ist der Zustand von Nicht-Dualität, ein Zustand jenseits von Sein und Werden, absolut und relativ, wirklich und illusorisch.

Diop: Wie komme ich dahin?

WW: Indem man sich bemüht, jegliche Kontrolle des Ich zugunsten eines reinen Geschehen-Lassens aufzugeben. Es ist eine Art aufmerksamen Gewähren-Lassens, so, wie eine liebevolle Mutter ihrem Kind beim Spielen zusieht. Sie lässt es gewähren. Sie ist achtsam, aber nicht kontrollierend. Eine ängstliche Mutter dagegen hat immer eine Vorstellung, wie ihr Kind sein sollte. Sie greift ständig ein. Ebenso machen es viele Übende. „Ich muss, ich sollte, ich darf nicht …“. Es ist doch ganz natürlich, dass die Augen sehen, die Ohren hören und das Gehirn denkt. Nur wenn wir uns selbst zurücknehmen und wie die Mutter ganz im Hintergrund bleiben, kann Es durchbrechen. Man lässt geschehen, was geschieht.

Diop: Trotzdem liegt die Schwierigkeit darin, das Angenehme und das Unangenehme auf die gleiche Weise ganz gelassen zu betrachten.

WW: Wer die wählerische Haltung nicht aufgibt, wird nie in Frieden sein. Unsere innere Haltung sollte weder ja noch nein sein. Diese rein beobachtende Haltung erfordert am Anfang eine gewisse Anstrengung, denn die Gewohnheit, seinen Gedanken freien Lauf zu lassen, hat bei einem ungeübten Menschen eine große Macht.

Diop: In diesem Sitzen mit wachem Geist stellt sich manchmal die Empfindung ein, dass man verschwunden ist, dass alles weg ist, der Atem, die Gedanken, die Geräusche.

WW: Das ist richtig. Wer dies bemerkt, reagiert nicht selten darauf mit Angst und setzt alles daran, wieder in den normalen Zustand zurückzukehren. Dieses Zurückschrecken vor dem Nichts ist anfangs ganz natürlich, weil es so ungewohnt ist. Es ist die erste Erfahrung eines grundlegenden Nicht-Seins, aus dem alles heraus entspringt. Wer jedoch intensiv weiter übt, wird diese Angst bald verlieren und sich nicht mehr dagegen wehren. Er wird das Vertrauen entwickeln, sich fallen zu lassen in diese Welt der Stille, die auch Leerheit genannt wird. Dieser ich-lose Zustand ist allen Menschen gemeinsam, er ist der ungeborene Ursprung. Zhuangzong war Kaiser der Tang-Dynastie und besetzte den Thron für drei Jahre. Er selbst nennt diese Regentschaft „das Juwel der zentralen Ebene“. Über diese zugrundeliegende Bedeutung spricht er mit einem wirklichen Zen-Kenner. „Ich habe das Juwel der zentralen Ebene erhalten, aber es gibt keinen, der den Preis zahlen kann.“ Zu solch einem Kaiser kann nur gratuliert werden. Man sagt, dass das Land in Frieden war und der Kaiser die Majestät des Himmels nicht verletzte. Die Zen-Schulung blühte auf und die vier Jahreszeiten waren in Harmonie.
Im Vers zum Koan heißt es: „Herzen wie Sonnenblumen. Das unschätzbare Juwel der Zentral-Ebene offenbaren ist nicht das Gleiche wie der Edelstein von Zhao oder das Gold von Yan.“

Diop: Könnten Sie mir das genauer erklären?

WW: Die Regentschaft des chinesischen Kaisers war deshalb so wundervoll, weil er jemanden traf, dem er sich anvertrauen konnte. So wie sich die Sonnenblume immer zur Sonne hinneigt, wagte er es nicht, sich wegzudrehen vom großen Juwel. Die berühmten Edelsteine, die es im Staate Zhao gab, und das Gold der Stadt Yan können den Schatz der Wesensnatur nicht annähernd erreichen. Dies ist ein Juwel aus einer besonderen Familie. Der Kaiser gibt ihn mit beiden Händen weiter. Der unbezahlbare Juwel wurde aus der zentralen Ebene ans Licht geholt. Das Ziehen am Helmriemen ist die offenkundige Wirklichkeit. Das Absolute und der Mensch sind vollkommen in Übereinstimmung. Das Licht des Juwels der zentralen Ebene, unsere Wesensnatur glänzt in allen Himmeln und spiegelt sich auch in uns Menschen wider. Der Juwel ist weder kostspielig noch billig. Wir können ihn weder kaufen noch verkaufen, und es ist schwer, einen Preis dafür festzusetzen. Vergangenheit und Zukunft liegen offen vor uns, wenn der Juwel für einen kurzen Augenblick erglänzt. Das Handeln des Kaisers kann auch uns lehren. Wir müssen nur vermeiden, uns zu behindern. Alle Welten des Universums erstrahlen im Lichte des Juwels. Der Familienschatz, gemeint ist ein Schatz, der allen gehört, kann nie versteckt werden. Es gibt keine Möglichkeit, ihn zu bekommen oder ihn ans Licht zu bringen. Alle Fehler ergeben sich aus dem Reden darüber. Aus diesem Grund ist es jetzt besser, zu schweigen.

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