Shoyoroku
Von Wolfgang Walter, E'un-Ken (Wolke der Weisheit)

Shoyoroku Nr. 53


Keiner, der es erfährt

WW: Obaku sagte einmal zu den versammelten Mönchen: „Ihr seid alle Sakesatz-Fresser. Wenn ihr auf diesem Weg immer so weitergeht, wann könnt ihr endlich sagen: ‘Heute habe ich es erfahren?’“ Er will damit ausdrücken: Ihr klammert euch nur an tote Begriffe und zurückliegende Erfahrungen.

Diop: Wer war dieser Obaku?

WW: Obaku ist Huang-po, der Lehrer von Rinzai. Er war ein Mann von über zwei Meter Größe und ein außerordentlicher Zen-Meister.

Diop: Was bedeutet „Sakesatz-Fresser“?

WW: „Ihr seid alle Sakesatz-Fresser“ bedeutet: Ihr ahmt alle nur euren Meister nach und stützt euch auf geschriebene Worte. Ihr solltet euch schämen. Und weiter sagt er: „Wisst ihr eigentlich, dass es in diesem großen Reich Tang keinen Zen-Meister gibt?“ D.h., es gibt auf der ganzen Welt keinen, der höher steht und mehr ist als ihr selber.

Diop: Gab es denn zu dieser Zeit wirklich keine Zen-Lehrer?

WW: O doch. Es gab viele Zen-Meister wie z.B. Nansen oder Joshu. Da trat ein Mönch vor und sagte: „Wie steht es aber mit den Leuten, die sich der Schüler annehmen und die Versammlung leiten?“ Obaku sagte: „Ich sage nicht, dass es kein Zen gibt; ich sage nur, dass es keinen Meister gibt.“

Diop: Was meint Obaku mit diesem Ausspruch?

WW: Obaku will damit ausdrücken: „Ich sage nicht, dass es die Wesensnatur nicht gibt, ich sage nur, dass es keinen Meister gibt, der darüber steht.
Das Koan könnte auch so lauten: Obaku: „Ihr alle seid tot. Wann habt ihr es endlich verwirklicht?“ Ein Mönch fragt: „Wer ist es, der vor mir steht?“ Obaku antwortet: „Niemand.“

Diop: Zen bedeutet also in diesem Beispiel unsere Wesensnatur?

WW: Ja. Und in dieser Wesensnatur ist gleichsam alles Zen. Das aber kann von niemandem unterrichtet werden. Wir können es immer nur für uns selbst verwirklichen. Wer den Geschmack von Curry kennen will, muss ihn selbst probieren. Alles Reden darüber hilft uns nicht weiter. Der Lehrer kann uns zwar sagen, wie wir üben sollen, aber Üben müssen wir alleine.

Diop: Gibt Obaku auch Hinweise, wie wir üben sollen?

WW: Ja. Er sagt: „Würdet ihr jetzt üben, eure Gedanken zu jeder Zeit ruhen zu lassen, sei es beim Gehen, Sitzen oder Liegen, und euch vollkommen auf das Ziel konzentrieren, keine Gedanken, keine Dualität zu schaffen, euch nicht auf andere zu verlassen, an nichts zu haften, einfach den Dingen den ganzen Tag hindurch ihren Lauf zu lassen, dann würden alle Dharmas euer Verständnis ganz durchdringen. Auch darf es kein Mittel sein, um irgendeine irdische oder himmlische Belohnung zu gewinnen.“

Diop: Sie sagten vorhin, dass Obaku der Lehrer von Rinzai war. Wie ist denn Obaku mit seinem Schüler Rinzai umgegangen?

WW: Das Rinzai-Roku ist voll mit diesen Geschichten. Einmal war Rinzai damit beschäftigt, kleine Kiefern zu pflanzen. Obaku fragt ihn: ,,Warum pflanzt du so viele Kiefern in diesem entlegenen Bergkloster?“ Rin­zai: „Erstens schaffen sie ein schönes Landschaftsbild um das Kloster herum. Zweitens sollen sie diejenigen erfreu­en, welche uns später nachfolgen“, und schlägt dreimal mit seiner Hacke auf den Boden. Obaku: „Obgleich das so sein mag, werde ich dir in die­sem Augenblick dreißig Schläge meines Stockes zu kosten ge­ben.“ Wieder schlägt Rinzai dreimal mit seiner Hacke auf den Boden und seufzt tief. Obaku: „Durch dich wird un­sere Schule in der ganzen Welt erblühen.“
Ein andermal sind Rinzai und alle Mönche draußen bei der Feldarbeit. Als Rinzai Obaku erblickt, der sich ihm nä­hert, hört Rinzai auf zu arbeiten und stützt sich auf seine Hacke. Obaku: „Könnte es sein, dass dieser Kerl schon müde ist?“ Rinzai: „Ich habe bis jetzt nicht einmal meine Hacke ge­hoben. Warum sollte ich müde sein?“ Obaku schlägt ihn. Rinzai greift nach dem Stock, gibt Obaku damit einen kräftigen Streich und stößt ihn um. Obaku ruft nach dem Mönchsvorsteher, um sich aufhelfen zu lassen. Der Mönchsvorsteher, indem er Obaku auf die Beine hilft, protestiert: „Ehrwürdiger, wie könnt ihr die Unver­schämtheit dieses Verrückten gestatten?“ Kaum ist Obaku wieder auf den Beinen, da schlägt er sei­nerseits den Mönchsvorsteher. Rinzai, der wieder zu hacken beginnt, murmelt: „Feuer­bestattung gibt es überall. Hier aber begrabe ich jeden le­bend mit nur einem einzigen Schlag.“
Eines Tages, während der Arbeitszeit, arbeitet Rinzai als letzter in der Reihe. Obaku dreht sich um, sieht, dass Rinzai nichts in der Hand hat, und sagt: „Wo ist deine Hacke?“ Rinzai: „Jemand hat sie weggenommen.“ Obaku: „Komm näher und lass es uns klären.“ Als Rinzai näherkommt, hebt Obaku die Hacke in die Höhe und sagt: „Niemand in der Welt kann sie mir weg­nehmen.“ Rinzai ergreift blitzschnell die Hacke, hält sie nun seinerseits hoch und sagt: „Wie kommt es, dass sie sich nun in meiner Hand befindet?“ Obaku: „Heute gibt es einen, der mit Leibeskräften arbeitet“, und geht zurück zum Kloster. Später fragt Isan den Kyozan: „Warum hat Rinzai dem Obaku die Hacke weggeschnappt?“ Kyozan: „Als Räuber war er nicht besonders, aber was seine Weisheit angeht, so hat er den Alten in die Pfanne gehauen.“
Sie sehen an diesen Beispielen, wie ursprünglich beide miteinander umgegangen sind.

Diop: Ich würde es eher brutal nennen.

WW: Das scheint nur so. In dieser Wirklichkeit, in diesem gemeinsamen Bewusstsein, haben sich die beiden großartig verstanden.

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