Shoyoroku
Von Wolfgang Walter, E'un-Ken (Wolke der Weisheit)

Shoyoroku Nr. 47


Form ist Leerheit

WW: Nichts am Zen ist schwierig. Wir sind es, die es uns so schwierig machen. Wir selbst sind es, die zwischen objektiv und subjektiv unterscheiden, zwischen richtig und falsch, zwischen Himmel und Hölle, zwischen einer phänomenalen Welt und einer Wesenswelt.

Diop: Wie aber ist es, wenn diese phänomenale Welt, also die Welt der Dinge, die uns umgibt mit der Wesenswelt übereinstimmt?

WW: Meister Joshu wurde einmal von einem Mönch gefragt: „Welchen Sinn hat das Kommen des Patriarchen aus dem Westen?“ Joshu antwortete: „Der Eichbaum da im Garten.“ Der Mönch sagte: „Meister, Ihr solltet es nicht mit Hilfe der objektiven Welt zeigen.“ Joshu antwortete: „Ich zeige es euch nicht mit Hilfe der objektiven Welt.“ Da fragte der Mönch noch einmal: „Welchen Sinn hat das Kommen des Patriarchen aus dem Westen?“ Joshu antwortete: „Der Eichbaum da im Garten.“

Diop: Das verstehe ich nicht. Ich verstehe nur, dass der Mönch möglicherweise den Meister prüfen wollte.

WW: Ja. Der Mönch erwartet etwas Erhabenes, etwas Großartiges, aber sicher nicht die Eiche, die da im Garten steht. Ich glaube, das genau ist unser eigentliches Problem. Wir erwarten immer, dass sich dieses Eine als etwas alles Überragendes präsentiert. Wir sehen vor lauter Bäume den Wald nicht mehr. Wir sehen vor lauter Formen die Leerheit nicht mehr. Die Leerheit, der Garten ist nicht möglich ohne die Form, während die Eiche, also die Form nicht ohne den Garten, die Leerheit möglich ist.

Diop: Aber der Baum gehört doch in die Welt des Phänomenalen.

WW: Ja? Die Frage ist immer die, aus welchem Blickwinkel heraus ich diese Welt betrachte. Sehe ich die Welt als eine Vielzahl einzelner Dinge oder aus dem Blickwinkel der Einheitserfahrung heraus?

Diop: Aber ich nehme diese Welt doch sinnlich wahr.

WW: Wie verwirklicht sich dann diese sinnlich wahrgenommene Welt in dieser Eiche in Ihnen?

Diop: Das weiß ich nicht. Dazu müsste ich eine Eiche sein.

WW: Sehen Sie, das ist es. Die Eiche ist nicht irgendein Objekt in diesem Universum, sondern das ganze Universum selbst. Im tiefsten Wesen ist weder das Universum, noch die Eiche gegenständlich. Alles ist leer. Das ist die Einheit. Auch der Mönch in diesem Beispiel konnte das nicht glauben, deswegen stellt er die gleiche Frage ein zweites Mal.

Diop: Aber er bekommt wieder die gleiche Antwort.

WW: Ja. Joshu hat die Welt der absoluten Einheit verwirklicht. Er befindet sich gleichsam jenseits der phänomenalen Welt und der Wesenswelt. Für ihn ist das eins. Aber Worte können das nicht ausdrücken und auch nicht erklären.

Diop: Aber kann ich es erfahren?

WW: Wenn Sie lange genug auf Ihrem Kissen sitzen, wird es Ihnen klar werden. Sie werden erfahren, dass diese Welt nicht zweigeteilt ist. Die Frage ist nur, wie ernst ist es Ihnen damit? Opfern Sie die letzte Faser ihres Körpers, um in diese Wirklichkeit einzudringen? Wenn dem nicht so ist, werden Sie es nie erfahren.

Diop: Sie sprechen von meiner Ernsthaftigkeit.

WW: Ja.

Diop: Das ist ein heikles Thema. Manchmal sitze ich, manchmal nicht. Wenn ich ganz ehrlich bin, ist es oft sehr schwer, den inneren Schweinehund zu überwinden, um sich dafür die Zeit zu nehmen.

WW: Aber Sie müssen nicht den ganzen Tag sitzen, um es zu verwirklichen. Auch bei mir gab es Zeiten, wo ich einfach nicht die Zeit dazu hatte. Aber ich hatte einen guten Lehrer, der mir gesagt hat, dass die Übung im Alltag genauso wichtig ist wie das Sitzen. Aus diesem Grund habe ich meine Übung in den Alltag hinein verlagert.

Diop: Sie meinen die Achtsamkeit im Alltag?

WW: Ja. So saß ich eigentlich den ganzen Tag und meditierte.

Diop: Ich stelle mir das sehr schwer vor, weil man ja von sehr vielen Dingen ständig abgelenkt wird.

WW: Deswegen habe ich mir im Alltag Zeichen gemacht. Ein Radiergummi auf dem Schreibtisch oder eine brennende Kerze im Wohnzimmer. In der Schule unterrichtete ich lauter kleine Buddhas, die mich manchmal ganz schön genervt haben. Aber es war eine gute Übung für mich.

Diop: Diese phänomenale Welt kann wirklich manchmal ganz schön nervig sein.

WW: Das ist richtig. Aber das darf auch so sein. Wenn wir lange genug diesen Weg gehen, wird uns langsam bewusst, dass man sich auch ärgern darf, dass man so sein darf wie man ist und sich nicht verstellen muss.

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