Shoyoroku
Von Wolfgang Walter, E'un-Ken (Wolke der Weisheit)

Shoyoroku Nr. 33


Verwirklichung im Alltag

Diop: Gibt es auch Koans, die darauf hinweisen, wie man sich verhalten soll, wenn man in diese neue Wirklichkeit durchgebrochen ist?

WW: Ja. Es gibt da ein Koan, wo Sansho Meister Seppo danach fragt.

Diop: Ist dieser Sansho derjenige, den wir bereits früher zusammen mit Rinzai kennengelernt haben?

WW: Ja. Sansho ist nach dem Tod Rinzais viel herumgewandert, um sein Verständnis von Zen weiter zu vertiefen. Er traf dabei viele bedeutende Zen-Meister wie z.B. Tozan, Kyozan, Tokusan oder Seppo. Mit letzterem ist uns ein Gespräch erhalten. Sansho fragte Seppo: „Wenn ein Fisch mit goldenen Schuppen durch das Netz hindurchgekommen ist, was sollte er als Nahrung bekommen?“

Diop: Was meint Sansho Ihrer Meinung nach mit diesem Satz?

WW: Sansho tritt hier sehr selbstbewusst auf. Sicher hat er schon viele Erfahrungen gemacht. Er bezeichnet sich als Fisch mit goldenen Schuppen, der durch das Netz des Dualismus hindurchgeschlüpft ist. Er fragt, wie er weitermachen soll, wenn er alle Konzepte und Ideen überwunden hat.

Diop: Und was antwortete Seppo?

WW: Seppo sagte: „Das sage ich dir erst, wenn du durch das Netz hindurchgekommen bist.“

Diop: Das verstehe ich nicht ganz. Sansho bezeichnet sich als jemand, der bereits die Erleuchtungserfahrung gemacht hat und durch das Netz in die Weite des Ozeans hindurchgeschlüpft ist und Seppo behandelt ihn, als wenn er erst noch hindurch kommen müsste.

WW: Das ist richtig. Ich glaube, Seppo will ihn einfach wieder auf den Boden zurückholen.

Diop: Wie reagiert Sansho darauf?

WW: Sansho sagte: „Ein Meister mit fünfzehnhundert Schülern weiß nicht einmal, worum es geht.“

Diop: Sansho provoziert ihn.

WW: Ja. Er weiß natürlich von der großen Zahl seiner Schüler, und dann kommt eine solche Antwort.

Diop: Vielleicht hat er sich mehr erwartet.

WW: Das kann durchaus sein. Es könnte aber auch sein, dass er mit seiner Antwort Seppo einfach herauskitzeln wollte, um etwas mehr über sein Zen-Verständnis zu erfahren.

Diop: Was antwortet Seppo daraufhin?

WW: Seppo sagte: „Der alte Mönch hat im Tempel viel zu tun.“ Er gibt ihm die perfekte Antwort, das ist die Einheit von Form und Leere in der Dynamik der ganz gewöhnlichen Arbeit.

Diop: Wen meint Seppo mit dem alten Mönch?

WW: Er meint natürlich nicht sich selbst. Der alte Mönch ist die uralte Wirklichkeit jenseits aller Zeit, die sich durch ihn manifestiert. Er will damit ausdrücken: „Was willst du eigentlich, wenn du das Normalste auf dieser Welt erfahren hast? Kehre einfach wieder in den Alltag zurück und hör auf, ständig von Erleuchtung zu faseln. Sei einfach ruhig und tu, was zu tun ist.

Diop: Und Sansho?

WW: An dieser Stelle ist das Koan zu Ende. Sansho fragt nicht mehr weiter. Die wahre Realität besteht aus einer nicht mehr zu trennenden Einheit der phänomenalen Welt mit der Wesenswelt. Aber selbst das ist bereits wieder eine Idee und ein Konzept. Unser Leben ist voller Löcher, durch die der Wind hindurchpfeift. Diese Bewegung, diese Arbeit, das bin ich. Das will Seppo damit ausdrücken. Doch Bewegung hat nichts personales an sich, auch wenn wir sie oft vereinnahmen und von unserer Arbeit sprechen. Seppo sagt nicht: „Ich habe im Tempel viel zu tun“, sondern „der alte Mönch hat im Tempel viel zu tun.“ An diesem Ausspruch sind sogar große Meister gescheitert, die den alten Mönch mit Seppo gleichgesetzt haben. Meister Seppo schildert die Wirklichkeit, die sich durch unser Tun, unsere Gedanken und Gefühle ausdrückt und wirkt. Der Quantenphysiker Hans-Peter Dürr spricht von Wirks, den Augenblicken, die nicht fassbar, begreifbar oder mit Worten beschreibbar sind. Letztendlich ist alles substanzlos, ohne Hintergrund, leer. Nur durch unser ständiges Identifizieren leiden wir. Fällt die Identifikation weg, hat alles Leiden aufgehört.

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