Shoyoroku
Von Wolfgang Walter, E'un-Ken (Wolke der Weisheit)

Shoyoroku Nr. 27


Aufgeben

WW: Einmal kam vor dem Mittagessen ein Mönch zu Daihogen von Seiryo und bat um Unterweisung. Gen zeigte mit seiner Hand auf die Bambusvorhänge. Zwei Mönche, die gerade dort waren, gingen in gleicher Weise zu den Vorhängen und rollten sie hoch. Gen sagte: „Der eine hat gewonnen, der andre hat verloren.“

Diop: Was bedeutet: „Der eine hat gewonnen, der andre hat verloren?“

WW: Der eine hat es erfasst, der andere hat es verfehlt. Daihogen ist jenseits von richtig und falsch, von gewinnen und verlieren, jenseits von Form und Leerheit, jenseits von innen und außen.

Diop: Aber beide Mönche tun doch das gleiche! Das verstehe ich nicht. Mir ist der Sinn nicht klar. Wo ist der Unterschied?

WW: Die Frage, die sich stellt, ist: Tun wirklich beide Mönche das gleiche?

Diop: Worum geht es in diesem Koan eigentlich?

WW: Haben es beide Mönche verwirklicht? Daihogen kannte natürlich seine Schüler. Nun ist es an uns, herauszufinden, wer gewonnen und wer verloren hat. In diesem Koan wird der Bereich der Gleichheit angesprochen. Ist es wirklich das gleiche, was beide Mönche tun oder ist es am Ende nur leerer Schein?

Diop: Ich weiß es nicht.

WW: Sehen Sie, da kommen wir der Sache schon ein wenig näher. Ein Koan kann nie verstandesmäßig aufgelöst werden. Unser Wissen darüber reicht einfach nicht aus. In diesem Koan wird der Schüler in einen großen Zweifel gestürzt. Wenn nichts mehr ergriffen werden kann, ist alles gleich und doch nicht. Darauf zielt Daihogen ab. Die Vollkommenheit der absoluten Gleichheit umfasst auch die Ungleichheit.

Diop: Wenn ich Zen richtig verstanden habe, dann heißt es doch, dass alles seinem Wesen nach vollkommen gleich ist.

WW: Das ist richtig. Ich glaube, Daihogen geht es hier vor allem um das Hindernis einer falsch verstandenen Gleichheit. Die absolute Gleichheit umfasst sowohl die Gleichheit wie die Verschiedenheit. Obwohl alle Dinge individuell unterschiedlich sind, sind sie in ihrem tiefsten Sein absolut gleich. Es geht also in diesem Koan um die Transzendierung von Gleichheit und Verschiedenheit, um die Transzendierung des Absoluten und des Phänomenalen, letztendlich um die Transzendierung von Leben und Tod.

Diop: Das klingt alles sehr kompliziert.

WW: In Wirklichkeit ist das sehr einfach. Wenn es uns gelingen könnte, in diese Einfachheit zurückzufinden, wäre das Problem gelöst. Es ist nur die Illusion des Lebens, die uns in diese tiefe Wahrheit nicht eindringen lässt. Im Grunde sind wir nur eine flüchtige Manifestation in diesem Körper. Es geht nur darum, dass wir uns an nichts klammern.

Diop: Sie meinen, wenn mein Geisteszustand ganz einfach wäre…

WW: Dann gäbe es keine Unterscheidung mehr zwischen richtig und falsch, zwischen Bejahung und Verneinung, zwischen Gleichheit und Ungleichheit. Meister Mumon sagt: „Wenn du diese Schranke durchschreitest, kannst du dich frei im Weltall bewegen.“ Worauf Daihogen eigentlich hinweisen will, ist die Krankheit der Ungleichheit in unserer Welt.

Diop: Aber eigentlich geschieht doch genau das Gegenteil.

WW: So ist das nun mal im Zen. Wir müssen die Gegensätze überwinden, ohne an Worten oder Vorgängen festzuhängen. Nur dann werden wir unsere tiefe menschliche Natur finden. Dann ist es einfach nur dies, ohne Gleichheit und Ungleichheit, ohne richtig und ohne falsch und damit ohne jegliche Irritation. Wenn wir aufhören könnten, schnelle Resultate erreichen zu wollen, wären wir schon einen wichtigen Schritt weitergekommen. Übung ist nötig, wenn uns etwas fehlt. Wollen Sie Arzt werden, dann müssen Sie lernen und üben, acht Jahre an der Universität studieren, um den Abschluss zu machen. Hier müssen wir nicht üben, weil die Wahrheit bereits hier ist. Was wir erreichen können, werden wir verlieren, doch was bereits ist, brauchen wir nur zu sehen. Versuchen Sie nicht, es mit Hilfe irgendeiner Methode zu finden, denn der Verstand wird Sie immer an der Nase herumführen. Hören Sie nicht auf den Verstand. Bleiben Sie einfach still, und Es wird sich von selbst offenbaren. Um diese Weisheit jenseits von „gewinnen“ oder „verlieren“ zu entwickeln sind wir auf diesem Planeten. Meister Engo sagt: Das Leben ist die ganze Aktivität des Lebens; der Tod ist die ganze Aktivität des Todes. Diese zwei Zustände sind nicht entgegengesetzt; sie existieren zusammen in einer umfassenden Erfahrung. Sie sind nicht berührt von Vorstellungen über Zeit und Raum.

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